MoTrip Live Joka Münster

Was gute Rap-Konzerte angeht, ist der Skaters Palace meine Heimat. Mit 18 habe ich hier mein erstes Rap-Konzert gesehen. Damals waren F.R., Favorite und Banjo auf Tour und haben mir beigebracht, dass auch der Besucher eines Rap-Konzerts Ellenbogen braucht… und man besser keine weißen Schuhe trägt.

Die weißen Schuhe von damals gibt es nicht mehr, krasse Rapper machen aber immer noch gerne in Münster halt bzw. starten dort sogar ihre Tour, so wie MoTrip am 6. April.

Eine Vorgruppe gab es nicht – der Rapper aus Aachen ging also direkt energischen Schrittes auf die Bühne und legte los. Im Rücken das frisch gekürte Juice Album des Monats „Embryo“ und Backup-Rapper Joka. Im Gegensatz zu vielen anderen „Backups“, bestand dessen Aufgabe nicht nur darin, gelegentlich ein-zwei Wörter des „richtigen“ Rappers mitzurappen oder geniale Fragen wie „Wo seid ihr?“ in die Menge zu schmeißen. Nein, Joka war Trip sowohl dabei behilflich das Publikum anzuheizen, als auch ein kongenialer Rap-Partner an der Seite (und nicht hinter!) MoTrip.

Die lockere Atmosphäre, die die beiden durch improvisierte Gespräche mit viel Witz und Charme schufen, übertrug sich auch auf das Publikum. Die knapp 200 Zuschauer gingen mit, sowohl bei polternden Tracks, wie „Kennen“ oder „King“, als auch bei einem gefühlvollen „Tagebuch“. Gerade hier zeigte sich, wie textsicher die Zuschauer waren und zauberten nicht nur mir eine Gänsehaut auf den Körper, auch in Trip selbst spiegelte sich die Verblüffung und Ergriffenheit, dass hunderte Leute seine Texte mitsangen.

Stark war auch der Gastauftritt vom großen Bruder El Moussaoui. „Elmo“ brachte nicht nur das Durchdreh-Lied „Gorilla“, sondern auch den Track „Ein Bruder bleibt“ von seinem Free-Mixtape „Beiss in den Fisch“ (welch passender Name für einen Auftritt, einen Tag vor Karfreitag!).

Familiär ging es nicht nur auf der Bühne zu, auch nach dem Konzert hatten die drei Rapper Zeit um mit den Fans zu sprechen und Autogramme auf CDs, Shirts oder Konzertkarten zu geben. (Ein Fan ließ MoTrip sogar auf dem Handy, mit dem er gerade filmte, unterschreiben. – Okay, es war Trips Idee).

Fazit: Ein gutes Konzert mit energischem MoTrip, der einen routinierten Tour-Auftakt hinlegt und wunderbar mit Back-Up Joka harmoniert. (Auch wenn dieser ihm verboten hat „Du kannst nicht immer 17 sein“ zu spielen“). Auch wenn das Konzert mit 1h30 etwas kurz war, hat es einen schönen Vorgeschmack auf das gegeben, was Trip nah seinem nächsten Album auf die Bühne bringen wird. Und darauf können wir uns alle freuen!

Erklärt MoTrips Texte auf RapGenius.com!