Fans auf die Bühne geholt, sich nur leicht anmerken lassen, dass es ein Fehler war, 2 Mädels mit gleichermaßen grausamen Stimmen Mikros zu geben, um die Hook von “Endlich Helden” mitzu”singen” und trotz Erkältung hat Fard den Abend mit einem Lächeln im Gesicht beendet.

Gerade an so einem harten Abend, an dem du eigentlich völlig im Arsch bist, wie kommst du da durch?

Es geht. Am Anfang ist man immer so am Meckern, hat schlechte Laune und macht jeden an, also im Team-Bereich. Aber wenn man dann auf die Bühne geht und kriegt die Energie zurück von den Leuten… Wenn ich ehrlich bin, bei mir ist das so wie verflogen, in den 90 Minuten spür’ ich das einfach nicht oder es geht weg durch diesen Adrenalinschub, den man dann als Künstler genießt. Man arbeitet ja darauf hin, dass Leute zu einem Konzert kommen und man sich präsentieren darf und von daher ist dann in diesem Moment so ein Glücksgefühl , dass es alles andere egal ist.

Nicht nur dich präsentierst du, sondern auch das Publikum. Du hast viele Leute auf die Bühne geholt. Wie kommt das?

Ich versuch’ immer so’n interaktives Programm zu haben. Weißt du, mein Deutschlehrer hat damals immer gesagt, Referate müssen immer interaktiv sein. Dann kriegen die Leute was mit, beteiligen sich und wenn die Leute sich beteiligen, merk’ ich ja, dass die Bock drauf haben, Spaß haben und im Geschehen involviert sind.

 ”Invictus” ist im Vergleich zum vorherigen Album sehr stark gechartet. Was ging dir durch den Kopf als du gesehen hast, es wird Platz 11?

Das war geil! Das war so die Bestätigung für die Arbeit, die wir im vorherigen Jahr geleistet haben, dass wir viel live gespielt haben. Dieser Platz 11 war dann für uns sozusagen der Ritterschlag, dass wir entlohnt worden sind für unsere Arbeit. Im Endeffekt war es cool zu sehen, dass die Leute bereit sind, einen zu supporten, dass sie bereit sind, dass das Ding noch wächst und die da auch selber Lust drauf haben, das ist nicht selbstverständlich in der heutigen Zeit. Von daher ist es schon ein geiles Gefühl!

Wenn du “wir” sagst, wen meinst du damit?

Ruhrpott Illegal – Das Team, was drumherum arbeitet. Ich bin ja “nur” der Rapper (grinst). Ich schreib’ nur meine Texte, mach’ die Songs fertig und den Rest machen viele andere Leute. Viele Rapper reden immer in der “Ich”-Form, aber sie vergessen, dass ein großes Team drumherum existiert.

Auf jedem deiner Alben findet man andere Producer: auf “Omerta” waren häufig “Omidbeatz” und “Chrizmatic” , auf “Alter Ego” KD-Beats und auf “Invictus” sind viele Lieder von Hookbeats produziert. Wie kommt das?

Gute Frage…Das ergibt sich immer so mit der Zeit. Man sucht neue Produzenten…und ich hab’ auch ein paar von den alten Produzenten gesagt, sie sollen nicht so viel für andere Leute produzieren, weil sonst der Sound so breiig wird, wenn man immer so viel für alles und jeden macht. Manchmal kann man dann nicht mehr zusammen arbeiten. Aber im Endeffekt arbeite ich noch mit fast jedem zusammen, mit dem ich auch auf “Alter Ego” gearbeitet hab’. Nur wenn jemand zu viel für andere Leute produziert, kann er nicht mehr für mich produzieren, weil es sonst einfach zu sehr nach anderen Leuten klingt. Also man muss sich entscheiden, als Rapper hat man da so ein bisschen die Qual der Wahl.

Ich habe auch das Gefühl, dass du sehr großen Wert auf die Beat-Auswahl legst.

Auf jeden, ich leg da sehr viel Wert drauf. Ich arbeite ja auch teilweise die Beats selbst vor. Aber ich bin kein guter Produzent oder ich sag mal, ich bin kein Produzent, der einen Rapper komplett machen könnte. Ich nehm’ einfach schnell Drums und Kicks, schick das an den Produzenten, von dem ich der Meinung bin, er kann das flippen und dann kommt das Endresultat zu Stande…Aber so ist es nicht üblich. Es sind vielleicht 20 Prozent die so entstehen. Der Rest entsteht so, dass ich sage: “Guck mal, ich hab’ da eine Idee von einem Song so und so. Hast du vielleicht was, dass du mir geben oder für mich anfertigen kannst?”. Dann schicken die mir eine Auswahl und ich bin dann immer pingelig… so die Prinzessin auf der Erbse. (grinst)

Wie würdest du deine Entwicklung seit “Omerta” beschreiben?

Gut bis Sehr Gut. (lacht) Ich weiß nicht, wie ich die beschreiben soll. Einfach: Ist gesund gewachsen. Sieht man ja auch, also wir sehen das selber, vor 2 Jahren habe ich noch vor 5 Mann gespielt.

Du bist iranischer Abstammung. Wie ist es denn mit Fans im Iran?

Ich hab’ gehört, dass es da wohl einige gibt. Aber die verstehen das wahrscheinlich nicht, die feiern dann nur, dass ich ein Iraner bin und halt in Deutschland erfolgreich bin. Das freut die, Iraner sind halt so “Bruder, du bist mein Bruder” das ist in unserer Kultur so. Ich weiß nicht, die nördlichen Länder hier in Europa sind etwas kühler. Aber das heißt nicht, dass sie schlechter sind, das ist einfach so. Bei uns im Süden ist es etwas wärmer, aber die sind auch gleichzeitig im Kopf ein bisschen hitziger. Ich denke, deswegen feiern die das, wenn die mitkriegen, weil ein Cousin denen ‘ne CD von mir mitbringt oder denen das bei Youtube zeigt.

Zum Thema Herkunft sagst du auch “Hab den Adler auf dem Pass, aber nicht auf meiner Brust”. Fühlst du das immer noch so?

Ich fühl’ diese Line nach wie vor, weil sie sich nicht auf Deutschland bezieht. Sie bedeutet nicht, dass ich mich nicht wie ein Deutscher fühle. Ich bin glaub’ ich einer der wenigen Rapper mit Migranten-Wurzeln, der immer noch von sich sagt, dass er ein Deutscher ist mit iranischen Wurzeln. Das Ding ist, diese Line ist einfach gegen den Staat gerichtet und ich hab’ das Gefühl, 90%, der Leute die danach fragen, haben diese Line nicht verstanden. Aber ist auch nicht schlimm so, vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt oder wurde falsch interpretiert, weil ich schwarze Haare hab’.
Stell dir mal vor irgendein anderer Rapper hätte das gemacht, nehmen wir einfach ein Beispiel, ohne jetzt jemanden zu diskreditieren: Sagen wir mal Casper hätte das gesagt. Wie wäre das aufgefasst worden? Es wäre aufgefasst worden, das Casper gegen den Staat oder rebellisch ist. Das wollte ich eigentlich damit deutlich machen und nicht, dass ich gegen Deutschland bin.

Okay. Was hast du gegen den Staat?

Vieles. Man muss sich ja nur mal anschauen, was unsere Politiker mit uns machen. Wir werden nach Strich und Faden verarscht. Natürlich klingt das Stammtisch-Parolen-mäßig, ich möchte jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber aktuelle Geschehen machen uns doch deutlich, wo wir gerade stehen. Ämter, die eigentlich ehrenhafte Ämter sind, werden dazu missbraucht um sich selbst zu bereichern und dann wird nach außen hin die Moral gepredigt. Das ist einfach falsch! Und diese Leute werden nicht belangt, diese Leute werden einfach nur ermahnt oder in der Öffentlichkeit bloß gestellt, aber eine richtige Bestrafung gibt es für die nicht. Lass mal jemanden, der Hartz-IV empfängt einen Monat Schwarzarbeit machen und dann guck mal, was mit seinem Hartz-IV passiert oder welche Strafe er auferlegt bekommt, wenn er erwischt wird oder lass doch mal jemanden, der Hartz-IV bekommt, eine Woche zur Probearbeit gehen und das nicht gemeldet haben. Der hat einen Unfall auf der Arbeit und ist dann einfach nicht unfallversichert. Das sind nur kleine Beispiele, ich könnte jetzt ellenlang mit dir darüber reden.

Karriere in der Politik, wär das was für dich?

Ich setze mich schon für junge Leute ein so weit ich kann. Zum Beispiel mach’ ich gerade ein Projekt, an dem Schulen mitmachen können, dass sich Jugendliche kreativ an ein politisches Thema rangehen können. Die können sich selber aussuchen, inwiefern die das aufführen wollen, ob’s als Theater oder malerisch aufgeführt wird, ob’s als Rap-Song oder als Lied ist, ist denen überlassen. Also ich denke, ich mach da schon genug.
Zum Beispiel gebe ich auch ein Benefiz-Konzert für einen Jungen, der in Gladbeck ins Koma geschlagen worden ist, weil seinen Eltern fehlte das Geld. Für solche Dinge nehme ich mir halt Zeit, solange ich kann… Das ist Politik von meiner Seite.

“Hier gibt es kein Liebeslied./Warum? Weil es davon schon zu viele gibt” sagst du in “Junge ohne Herz” auf Invictus gibt es aber doch einige Liebeslieder.

Sind das Liebeslieder? Es ist ein Liebesbekenntnis, wenn du jemandem sagst “Ich liebe dich”. Aber du musst bei diesen Liebesliedern zwischen den Zeilen lesen, da spielt Kränkung eine große Rolle. Guck mal, Invictus ist ein Album, das erst dadurch entstand, dass es “Alter Ego” gab z.B. wird der “Junge ohne Herz” erst jetzt erklärt. Also es gab erst “Junge ohne Herz” und “Reich und Schön” erzählt eigentlich die Geschichte zu dem Song. Es gab den Song “Hilf dir Selber” auf Alter Ego und jetzt gibt’s darauf die Antworten. Aber die muss der Hörer selber finden, dann macht’s viel mehr Spaß.

Also für dich sind es keine Liebeslieder…

Für mich sind es keine, für mich sind es eher melancholische Lieder. So richtige Liebeslieder hab’ ich noch nicht, aber das kommt auch bestimmt. Guck mal, ich bin auch nur ein Mensch. Das sind ja Momentaufnahmen, der “Junge ohne Herz”. Wollt ihr mich jetzt ein Leben lang dingfest machen, dass ich diese Line gesagt habe? Ich bin verliebt, ich liebe die Welt, alle.. (grinst)

4 Kronen gab es damals in der Juice für Omerta, aber auch Kritik. Dort heißt es: „Während Fard in „Ehre wem Ehre gebührt“ viel von sich preisgibt und auch Selbstkritik übt, relativiert der darauffolgende Song „Multikriminiell seine Aussagen wieder indem er den Straßenlifestyle glorifiziert“. Was sagst du dazu?

Das ist doch keine konstruktive Kritik, also derjenige der das geschrieben hat, hat es nicht verstanden. “Ehre wem Ehre gebührt” das ist doch einfach ein Resumé, ich kapitulier doch nicht, dass ich sage “ich will jetzt ein besserer Mensch werden” oder so. (grinst) Ich steh’ nach wie vor zu den Songs und “Multikriminell”… ich weiß nicht, wieso das so ausgelegt wird, dass ich den “Straßenlifestyle glorifiziere”. Woher kommt denn Rap? Ist mir auch zu banal diese These, es ist doch ein Album. Ein Kinofilm besteht ja auch nicht nur aus Action oder ein Liebesfilm besteht ja auch nicht nur aus Küssen und Romantik. Ein Album muss ja abwechslungsreich sein, ein Album muss Unterhaltung bieten. Ich will Action, ich will hören, dass der Künstler sich Gedanken macht, seine Gedankewelt kennlernen, sein Inneres, seine melancholische Seite, seine aggressive Seite. Das ist ja bei Rock-Alben nicht anders, nur die haben halt ein anderes Repertoire.

Bei Facebook hattest du schon 200 tausend Fans, als ein Samy Deluxe gerade mal die Hälfte hatte. Hast du da eine besondere Bindung zu den Fans, wie kommt das zustande?

Ich bin beliebt, die Leute mögen mich einfach. (lacht) Ich kann’s nicht anders beschreiben, auch wenn’s arrogant klingt. Ich hab’ kein Geheimrezept wie das funktioniert. Ich weiß noch ganz genau vor “Alter Ego” hatte ich 2.000 Leute auf der Seite. Ich arbeite ja auch viel mit Youtube, mache immer viele Videos zu den Alben. Das trifft den Nerv der Zeit, gerade bei den jüngeren Leuten glaube ich.

Noch vor Omerta sagst du im Hip-Hop-Jam.net-Interview „Egal ob es ein großes Label oder ein kleines Independent-Label ist – Hauptsache ist, dass man sich um mich und meine Musik kümmert. Mehr will ich nicht.“ Wie zufrieden bist du?

Sehr gut, alter. Wir wachsen, wir haben fast andauernd volle Häuser, wenn wir live spielen. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg, uns die Krone zu holen. Dann heißt es in 2 Jahren “Du kriegst kein Interview mehr. Verpiss dich!” (lacht)

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Interview: Tobias Wilinski